Gleich mit drei Athleten war der MTV Seesen bei den Europameisterschaften in den Walddisziplinen in Litauen vertreten. Während Ole Hennseler und Birte Friedrichs nach beachtlichen Leistungen bei ihren Formtests zuvor recht optimistisch angereist waren, war die für Österreich startende Lina Buchberger nach überstandener Verletzung froh, überhaupt dabei sein zu können, und fokussierte sich vor allem auf ihren Staffelpart.
Was für Gelände auf sie zukommen würde, war den Athleten aus vorherigen Trainingslagern ungefähr klar, die Realität zumindest in den Finalläufen übertraf aber die Vorstellungen etlicher Sportler und führte zu mancher Enttäuschung. Erwartet wurde relativ flaches, aber feinstrukturiertes Terrain mit teilweise dichtem Bewuchs, bei dem sauberes Kompasslaufen angesagt war.
Der Wald für die Qualifikationsläufe, in denen über die Finalteilnahmen entschieden wurde, präsentierte sich überraschend offen und ließ höchstes Tempo zu. Während für Lina Buchberger der Lauf eher zum Eingewöhnen diente, hatten die anderen beiden Pech, verfehlten sie als 22. bzw. 23. ihrer Vorläufe doch nur ganz knapp das Ziel, ins A-Finale zu gelangen.
So schön dieser Wald sich gezeigt hatte, bei der Entscheidung über die Langdistanz war sämtliche Freude verflogen. Nicht nur, dass ein Großteil des Geländes sehr dichten Bewuchs aufwies, der in seiner Kartendarstellung die feinen Höhenstrukturen farblich überlagerte, sondern trübes Herbstwetter und zeitweiser Regen erschwerten das Lesen der Karte obendrein. Und wenn man beim Kompasslauf einmal im Dickicht steckengeblieben und danach nur geringfügig aus der Richtung gekommen war, hatte man kaum eine Chance, sich zügig wieder einzulesen. Während Lina Buchberger gleich ganz auf den Lauf verzichtete, taten sich ihre Vereinskollegen unerwartet schwer und kamen nie in einen gleichmäßigen Laufrhythmus. Mit Rang 14 (Friedrichs) und 24 (Hennseler) im B-Finale rangierten sie unter Wert und waren mit dem gesamten Wettkampf sichtlich unzufrieden.
Nach einem Ruhetag folgten im Nachbarwaldstück die Finalläufe über die Mitteldistanz. Auf den ersten Blick sah die Karte etwas angenehmer aus, aber das täuschte, denn es war nun eher ein Flickenteppich von Dickichten mit dazwischen befindlichen besser belaufbaren Partien. Lina Buchberger belegte im B-Finale den 49. Platz, Birte Friedrichs wurde nach einem soliden Lauf ohne erkennbare Fehler Zehnte. Etwas versöhnt zeigte sich Ole Hennseler nach seinem durchaus respektablen sechsten Platz, weil es ihm besser gelang, sich auf das Gelände einzustellen.
Wegen aufgetretener Erkältungssymptome verzichtete Birte Friedrichs auf einen Start in der abschließenden Staffel, zu der erstmals die Sonne zum Vorschein kam. Lina Buchberger blieb nach guter Vorarbeit der beiden österreichischen Vorläuferinnen zwar nicht fehlerfrei und verlor einige Ränge, hatte aber immerhin noch die Genugtuung, ihr Team als 14. vor den beiden deutschen Staffeln ins Ziel zu bringen. Bei den Herren kam Ole Hennseler an zweiter Position zum Einsatz und konnte als Zehnter mit Tuchfühlung nach vorn auf seine Strecke gehen. Leider gelang ihm nicht so ein guter Lauf wie in vielen Staffelrennen zuvor und so musste er abreißen lassen und verlor einige Plätze. Da der Ersatzschlussläufer noch weiter zurückfiel, blieb am Ende nur ein enttäuschender 20. Platz für das deutsche Trio.
Detlev Friedrichs
